Virtual Reality- Brillen: Sind sie schädlich für die Augen?

Wer träumt davon nicht: Eine perfekte Illusion, die das Eintauchen in fremde Welten, den Lieblingsfilm oder in ein Videospiel ermöglicht. Eine Illusion, die nicht am quadratischen Kunststoffrand des Fernsehers endet, sondern man selbst ein Teil von ihr wird. VR-Brillen ermöglichen genau dieses Eintauchen in unbekannte Welten und sind deswegen auch so beliebt. Doch wie entsteht dieses Bild einer virtuellen Welt vor dem Auge? Ist diese Art des Sehens schädlich für die Augen?

Wie funktionieren VR-Brillen?

Die Technologie einer VR-Brille macht sich einen Mechanismus zunutze, der sich stereoskopisches Sehen nennt. Dieses Phänomen ermöglicht uns dreidimensionales Sehen. Dank zweier Augen kann der Mensch einen Gegenstand aus zwei verschiedenen Blickwinkeln betrachten, die sich nur minimal unterscheiden. Obwohl wir mit beiden Augen unterschiedliche Teile eines Raumes oder Gegenstandes betrachten, erscheint es uns wie ein scharfes stimmiges Bild. Das ermöglicht uns das Gehirn, was diese Unterschiede beider Perspektiven berechnet und daraus die räumliche Beschaffenheit ableitet.

Eine VR-Brille nutzt dieses Phänomen. Sie hat die Form einer abgedunkelten Taucherbrille. Zwei Displays, die in der Brille integriert sind, stellen das visuelle Bild dar. Die stereoskopische Differenz, also die unterschiedlichen Perspektiven, wird von einem Computerprogram simuliert, so dass die Augen zwar auf einen eindimensionalen Bildschirm schauen, aber ein dreidimensionales Bild vorgegaukelt bekommen. Da dieses Bild sehr dicht vor dem Auge entsteht, befinden sich noch Linsen zwischen den Displays und der Augenpartie. So sieht der Benutzer einer VR-Brille scharf und gibt ihm außerdem das Gefühl, dass das, was er auf dem Bildschirm sieht, riesig ist. So taucht er in eine Illusion ein, die sich wie das Durchschreiten einer echten Welt anfühlt.

Gefahren bei der Verwendung von VR-Brillen

Aus welchem Grund sollte dieser Effekt nun problematisch für das Auge werden? Normalerweise passt sich das Auge immer wieder an die Objekte an, da sie in der Regel in der Entfernung zur Linse variieren. Das Anpassen sorgt dafür, dass man immer ein scharfes Bild sieht. Beim Tragen einer Virtual Reality-Brille ist der Abstand zum Objekt, also zum Display, immer gleich. Die Schärfe wird durch die Linse erzeugt, die sich vor dem Display befindet. Das Akkomodieren, die Anpassung des Auges, fällt also weg, was die Augen in eine gewisse Starre manövrieren. Wenn man eine VR-Brille lange nutzt, gewöhnen sich die Augen daran, dass ihnen die Arbeit des Anpassens abgenommen wird. Beim Abnehmen der Brille kann es somit zu Sehschwierigkeiten kommen, da es zunächst schwerfallen wird, wieder zwischen Nähe und Distanz der Objekte zu unterscheiden. Im Straßenverkehr sollte man deswegen vorerst nicht teilnehmen und warten, bis sich das Auge wieder an die Akkomodation gewöhnt hat.

Ein weiteres Problem stellt das von den Bildschirmen ausgehende Blaulicht dar. Experten raten dazu, VR-Brillen nicht direkt vor dem Schlafengehen zu nutzen, da das unnatürliche Blaulicht zu Schlafstörungen führen kann.

Für eine Warnung vor VR-Brillen ist es aber noch viel zu früh. Bisher gibt es kaum Studien zu dem Thema, die belegen, dass die Augen einen ersthaften Schaden bei der Nutzung von VR-Brillen annehmen. Wie auch bei der Nutzung aller anderen Bildschirme, ist die Gefahr für Kinderaugen, die sich noch im Wachstum befinden, am höchsten.


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